Medienkompetenz

Cybermobbing: Was tun? Hilfe für Kinder, Jugendliche und Eltern

  • 5 Minuten Lesezeit
  • Für Kinder, Jugendliche & Eltern
  • Stand: 28. Oktober 2026
Eine Hand legt sich unterstützend auf eine Hand mit Smartphone – Symbolbild (KI-generiert)

Gemeine Nachrichten im Klassenchat, peinliche Fotos, die herumgeschickt werden, ein Fake-Profil mit deinem Namen, Gruppen, in denen über dich gelästert wird: Cybermobbing kann jeden treffen. Und anders als Streit auf dem Schulhof hört es nach Schulschluss nicht auf, sondern geht auf dem Handy weiter, bis ins Kinderzimmer.

Wenn dir das gerade passiert: Du bist nicht schuld, und du bist nicht allein. Es gibt Wege, die helfen, und Menschen, die dir zuhören. Dieser Ratgeber zeigt dir Schritt für Schritt, was du tun kannst, und erklärt Eltern, wie sie ihr Kind am besten unterstützen. Ganz unten findest du kostenlose Hilfsangebote.

Was tun bei Cybermobbing? 7 Schritte für Betroffene

Du musst nicht alles allein und nicht alles auf einmal schaffen. Schritt 4 – mit jemandem reden – ist der wichtigste.

  1. Nicht antworten, nicht zurückschlagen

    Auch wenn es schwerfällt: Antworte nicht auf Beleidigungen und schick nichts Gemeines zurück. Die Täter wollen eine Reaktion. Wenn du zurückschlägst, kann es dir später sogar schaden.

  2. Beweise sichern

    Mach Screenshots von Nachrichten, Kommentaren und Profilen – mit Datum, Uhrzeit und Absendernamen. Speichere sie an einem sicheren Ort, zum Beispiel auf dem Rechner deiner Eltern. Lösch nichts, bevor du es gesichert hast. Wichtige Ausnahme: Nacktbilder von Minderjährigen – auch von dir selbst – niemals screenshotten, speichern oder verschicken. Notiere nur, wer was wann geschickt hat, und geh damit sofort zu einer erwachsenen Vertrauensperson oder zur Polizei.

  3. Blockieren und melden

    Blockiere die Personen, die dich mobben, und melde die Inhalte bei der Plattform. Alle großen Apps haben dafür eine Meldefunktion. Gefälschte Profile mit deinem Namen oder Foto kannst du ebenfalls melden und löschen lassen.

  4. Mit jemandem reden, dem du vertraust

    Erzähl es deinen Eltern, einer Lehrkraft, der Schulsozialarbeit, einem Trainer oder einer Freundin. Wenn dir das schwerfällt, ruf bei der Nummer gegen Kummer an – anonym und kostenlos. Reden ist kein Petzen. Es ist der Weg raus.

  5. Die Schule einbeziehen

    Wenn Mitschülerinnen oder Mitschüler beteiligt sind, muss die Schule Bescheid wissen, auch wenn es in der Freizeit passiert. Viele Schulen haben Vertrauenslehrkräfte, Schulsozialarbeit oder Streitschlichter. Nimm deine Screenshots mit.

  6. Bei Drohungen oder Nacktbildern zur Polizei

    Wenn dir Gewalt angedroht wird, du erpresst wirst oder Nacktbilder von dir verbreitet werden, ist das eine Straftat. Dann sollten deine Eltern oder eine andere erwachsene Vertrauensperson mit dir zur Polizei gehen. Im Notfall wähle 110.

  7. Auf dich selbst achten

    Mobbing macht etwas mit einem: Schlafprobleme, Bauchschmerzen, keine Lust mehr auf Schule. Leg das Handy auch mal weg, triff Menschen, die dir guttun, und mach Dinge, die dir Kraft geben. Wenn es dir sehr schlecht geht, hol dir sofort Hilfe, zum Beispiel beim krisenchat.

Für Eltern: So unterstützt du dein Kind

Viele Kinder erzählen lange nichts, aus Scham oder aus Angst, dass ihnen das Handy weggenommen wird. Achte auf Veränderungen: Rückzug, Nervosität beim Blick aufs Handy, plötzliche Unlust auf Schule oder Vereinsaktivitäten.

  • Ruhig bleiben und zuhören: Dein Kind braucht jetzt Sicherheit, keine Vorwürfe.
  • Kein Handyverbot als Reaktion: Das bestraft das Opfer und führt dazu, dass beim nächsten Mal geschwiegen wird.
  • Gemeinsam Beweise sichern und Inhalte melden.
  • Nicht eigenmächtig die Täter oder deren Eltern konfrontieren – besser über die Schule gehen.
  • Bei Straftaten wie Bedrohung, Erpressung oder der Verbreitung von Nacktbildern Anzeige erstatten.
  • Dich selbst beraten lassen, zum Beispiel beim Elterntelefon.

Ist Cybermobbing strafbar?

Einen eigenen Straftatbestand „Cybermobbing“ gibt es in Deutschland nicht. Viele Handlungen, die zum Mobbing gehören, sind aber strafbar, zum Beispiel Beleidigung, üble Nachrede, Bedrohung, Nachstellung oder das Verbreiten von Fotos, die jemanden bloßstellen. Ab 14 Jahren sind Jugendliche in Deutschland strafmündig.

Wichtig für alle: Wer Nacktbilder von Minderjährigen weiterleitet, macht sich selbst strafbar, auch wenn er sie nur bekommen hat. Solche Bilder niemals weiterschicken, sondern einer erwachsenen Vertrauensperson Bescheid geben.

Wenn du mitbekommst, dass jemand gemobbt wird

Mobbing funktioniert nur, solange alle zuschauen. Du musst nicht die Heldin oder der Held sein, aber du kannst etwas tun:

  • Nicht mitlachen, nicht liken, nicht weiterleiten.
  • Der betroffenen Person privat schreiben, dass du auf ihrer Seite stehst.
  • Inhalte melden und einer Lehrkraft oder deinen Eltern Bescheid sagen.
  • Mit anderen zusammen Stellung beziehen: „Das ist nicht okay.“

Hier bekommst du Hilfe – kostenlos

Die Beratungsangebote sind kostenlos und vertraulich, du musst deinen Namen nicht nennen. Die Polizei ist für Notfälle und Anzeigen da – im Notfall wähle immer die 110.

  • Nummer gegen Kummer – Kinder- und Jugendtelefon

    116 111

    Montag bis Samstag 14–20 Uhr, kostenlos und anonym. Zusätzlich Online-Beratung auf nummergegenkummer.de.

  • Nummer gegen Kummer – Elterntelefon

    0800 111 0 550

    Für Eltern: Montag, Mittwoch und Freitag 9–17 Uhr, Dienstag und Donnerstag 9–19 Uhr, kostenlos.

  • JUUUPORT

    juuuport.de

    Online-Beratung von Jugendlichen für Jugendliche bei Problemen im Netz, zum Beispiel Cybermobbing. Vertraulich und kostenlos.

  • krisenchat

    krisenchat.de

    Chat-Beratung rund um die Uhr für alle unter 25, auch über WhatsApp. Kostenlos.

  • Polizei

    110

    Bei Bedrohung, Erpressung oder akuter Gefahr – Tag und Nacht.

Angaben geprüft: Oktober 2026 auf den Websites der Anbieter

Häufige Fragen

Was ist Cybermobbing?

Cybermobbing bedeutet, dass jemand über digitale Medien wiederholt beleidigt, bloßgestellt, bedroht oder ausgegrenzt wird – zum Beispiel in Messengern, sozialen Netzwerken oder Online-Spielen.

Soll ich die Nachrichten löschen?

Erst sichern, dann löschen. Mach Screenshots mit Datum und Absender, bevor du Nachrichten löschst oder Personen blockierst. Die Beweise brauchst du, wenn du dich an die Schule, die Plattform oder die Polizei wendest. Bei Nacktbildern gilt das nicht: Die nicht selbst speichern, sondern sofort Eltern oder Polizei einbeziehen.

Muss ich zur Polizei gehen?

Nicht bei jedem Fall. Bei Drohungen, Erpressung, Verbreitung von Nacktbildern oder wenn das Mobbing trotz aller Schritte nicht aufhört, ist eine Anzeige aber sinnvoll. Geh am besten mit einer erwachsenen Vertrauensperson hin.

Was können Eltern tun, wenn ihr Kind andere mobbt?

Das Gespräch suchen, ohne das Kind bloßzustellen, klar machen, dass das Verhalten verletzt, und auf Wiedergutmachung hinarbeiten. Hinter Mobbing stecken oft eigene Probleme. Beratung gibt es auch dafür, zum Beispiel beim Elterntelefon.

Kann ich anonym Hilfe bekommen?

Ja. Bei der Nummer gegen Kummer musst du deinen Namen nicht sagen. Auch JUUUPORT und krisenchat beraten vertraulich. Du entscheidest, was du erzählst.