Engagement

Ehrenamtlich engagieren in der Jugendarbeit – so findest du deinen Platz

  • 4 Minuten Lesezeit
  • Für Erwachsene
  • Stand: 28. Oktober 2026
Mehrere Hände bauen gemeinsam Lautsprecher und Kabel auf einer Bühne auf – Symbolbild (KI-generiert)

Ein Nachmittag pro Woche, ein Wochenende im Monat oder eine Woche Ferienfreizeit im Sommer: Ehrenamtliche sind das Rückgrat der Kinder- und Jugendarbeit in Deutschland. Ohne sie gäbe es viele Sportvereine, Jugendgruppen, Zeltlager und Kulturprojekte schlicht nicht.

Vielleicht willst du etwas zurückgeben, deine Fähigkeiten weitergeben oder einfach etwas Sinnvolles neben Job oder Studium tun. Dieser Ratgeber zeigt dir, welche Einsatzfelder es gibt, was du rechtlich wissen musst und wie du die passende Stelle findest. Er richtet sich an Erwachsene und an Jugendliche ab 16.

In 7 Schritten zum Ehrenamt in der Jugendarbeit

Nimm dir Zeit für die Auswahl. Ein Ehrenamt, das zu deinem Leben passt, hältst du länger durch – und Kinder und Jugendliche brauchen verlässliche Bezugspersonen.

  1. Klär deine Motivation

    Was treibt dich an? Willst du mit Kindern arbeiten, eher organisieren, Technik betreuen oder dein Hobby weitergeben? Musik, Sport, Handwerk, Social Media oder Buchhaltung – fast jede Fähigkeit wird irgendwo gebraucht.

  2. Schätz deine Zeit realistisch ein

    Überleg, wie viel Zeit du wirklich hast: regelmäßig jede Woche, projektweise oder nur in den Ferien. Lieber klein anfangen und später mehr machen, als sich zu viel vorzunehmen und nach zwei Monaten aufzuhören.

  3. Passende Organisationen finden

    Schau dich in deiner Nähe um: Jugendverbände, Sportvereine, Jugendzentren, kirchliche und kulturelle Träger, Initiativen. Freiwilligenagenturen in vielen Städten vermitteln kostenlos, und Ehrenamtsbörsen im Internet listen offene Stellen.

  4. Kontakt aufnehmen und schnuppern

    Schreib eine kurze Nachricht oder ruf an und frag nach einem Kennenlernen. Gute Organisationen bieten an, erst einmal einen Tag mitzulaufen. So merkst du schnell, ob die Atmosphäre und die Aufgaben zu dir passen.

  5. Erweitertes Führungszeugnis beantragen

    Je nach Art, Dauer und Intensität des Kontakts mit Kindern und Jugendlichen verlangen Träger ein erweitertes Führungszeugnis. Du beantragst es beim Bürgeramt oder online. Mit einer Bestätigung der Organisation, dass du ehrenamtlich tätig bist, ist es meist gebührenfrei.

  6. Schulungen nutzen, etwa die Juleica

    Die Jugendleiter-Card (Juleica) ist der bundesweite Ausweis für ehrenamtliche Jugendleiterinnen und Jugendleiter. Die Ausbildung umfasst Themen wie Aufsichtspflicht, Gruppenpädagogik, Kinderschutz und Erste Hilfe. Mindestalter und Umfang regeln die Bundesländer; in der Regel geht es ab 16 Jahren los.

  7. Loslegen und dranbleiben

    Am Anfang begleitest du erfahrene Leute, später übernimmst du eigene Aufgaben. Sprich offen an, wenn dir etwas zu viel wird oder Spaß macht. Ein gutes Team passt Aufgaben an – Ehrenamt soll Kraft geben, nicht rauben.

Welche Aufgaben gibt es in der Jugendarbeit?

Jugendarbeit ist viel mehr als Gruppenstunden. Gerade kleinere Vereine suchen Unterstützung in ganz unterschiedlichen Bereichen:

  • Gruppen und Workshops leiten oder begleiten, zum Beispiel in Musik, Sport, Kunst oder Medien.
  • Ferienfreizeiten und Camps betreuen.
  • Hausaufgabenhilfe, Sprachförderung, Bewerbungstraining.
  • Fahrdienste, Auf- und Abbau bei Veranstaltungen.
  • Social Media, Fotos, Videos, Website-Pflege.
  • Vorstandsarbeit, Buchhaltung, Fördermittelanträge, Organisation.

Versicherung, Aufsichtspflicht und Kinderschutz

Ehrenamtliche in gemeinnützigen Organisationen sind meist über den Träger unfall- und haftpflichtversichert. Frag zu Beginn nach, wie das bei deiner Organisation geregelt ist. Wenn du Kinder betreust, übernimmst du für diese Zeit die Aufsichtspflicht – was das konkret bedeutet, lernst du in Schulungen wie der Juleica.

Kinderschutz hat in der Jugendarbeit höchste Priorität. Seriöse Träger haben ein Schutzkonzept, klare Regeln für Nähe und Distanz und feste Ansprechpersonen. Fehlt so etwas komplett, darfst du gern nachfragen.

Gibt es Geld fürs Ehrenamt?

Ehrenamt ist grundsätzlich unentgeltlich. Viele Organisationen erstatten aber Fahrtkosten und Auslagen oder zahlen eine kleine Aufwandsentschädigung. Dafür gibt es steuerliche Freibeträge: Seit 2026 sind bis zu 960 Euro im Jahr über die Ehrenamtspauschale steuerfrei, für Übungsleiter-, Betreuungs- und ausbildende Tätigkeiten bis zu 3.300 Euro über die Übungsleiterpauschale. Beide Pauschalen lassen sich für dieselbe Tätigkeit nicht doppelt nutzen. Was davon für dich gilt, klärt die Organisation mit dir.

Was dir ein Ehrenamt bringt

Neben dem guten Gefühl bringt Ehrenamt ganz handfeste Vorteile: Du lernst Verantwortung, Kommunikation und Organisation, erweiterst dein Netzwerk und sammelst Erfahrungen, die in Bewerbungen zählen. In manchen Bundesländern gibt es außerdem Ehrenamtskarten mit Vergünstigungen, in Bayern zum Beispiel die Bayerische Ehrenamtskarte.

Und vielleicht das Wichtigste: Kinder und Jugendliche erinnern sich oft noch Jahre später an die Menschen, die sich Zeit für sie genommen haben.

Häufige Fragen

Wie viel Zeit muss ich für ein Ehrenamt einplanen?

Das ist ganz unterschiedlich. Manche Aufgaben brauchen zwei Stunden pro Woche, andere nur ein paar Tage im Jahr, etwa bei Freizeiten oder Veranstaltungen. Sprich offen über deine Zeit, damit die Aufgabe passt.

Brauche ich eine pädagogische Ausbildung?

Nein. Viele Ehrenamtliche bringen keine pädagogische Ausbildung mit. Gute Organisationen arbeiten dich ein, und Schulungen wie die Juleica vermitteln die Grundlagen für die Arbeit mit Gruppen.

Warum brauche ich ein erweitertes Führungszeugnis?

Träger der Kinder- und Jugendhilfe müssen sicherstellen, dass niemand mit einschlägigen Vorstrafen mit Kindern und Jugendlichen arbeitet. Das erweiterte Führungszeugnis ist dafür der Nachweis. Für Ehrenamtliche ist es mit Bestätigung des Trägers in der Regel kostenlos.

Kann ich mich schon als Jugendliche oder Jugendlicher engagieren?

Ja. Viele Jugendverbände bilden ab 16 Jahren zu Jugendleiterinnen und Jugendleitern aus, und schon vorher kann man in Teams mithelfen, zum Beispiel bei Veranstaltungen.

Ist man im Ehrenamt versichert?

In der Regel ja: Ehrenamtliche in gemeinnützigen Organisationen sind meist über die gesetzliche Unfallversicherung oder Versicherungen des Trägers bzw. des Landes geschützt. Frag bei deiner Organisation nach den Details.